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Die Kunst „nein“ zu sagen


Eigentlich sollte es nicht so schwierig sein, nein zu etwas zu sagen. Und dennoch tun wir es meist zu selten. 

Die Gründe dafür sind vielfältig: wir wollen niemanden enttäuschen, wir wollen keinen Streit, wir fühlen uns verpflichtet, wir stellen die Bedürfnisse anderer vor unsere eigenen, wir haben ein schlechtes Gewissen... die Liste ist noch um einiges länger. 


Dennoch hat sie eine Sache gemeinsam: nein zu sagen fühlt sich falsch und egoistisch an, man befürchtet negative Konsequenzen oder sucht nach guten Gründen für das „nein“. 


Dabei ist das gar nicht nötig. Wir müssen keine Geschichten erfinden oder uns rechtfertgen. Wir dürfen auch einfach mal nicht wollen. 


Und es gibt ja auch immer Dinge, die wir gerne machen und gut können. Du bastelst gerne und der Kindergarten sucht Helfer für ein Bastelprojekt? Super, dann mach mit! 

Backen ist dafür aber nicht so deins? Dann steuerst du eben keinen Kuchen bei. Ein nein an dieser Stelle. Nicht, weil du keine Zeit hast, weil du deine Kinder nicht liebst oder weil du eine schlechte Mutter bist, sondern, weil du eben nicht gerne backst und es denen überlassen kannst, die es gerne tun. 


Deine Freunde treffen sich und du möchtest lieber zu Hause bleiben oder etwas anderes machen. Dann auch an dieser Stelle ein nein. Einfach so- du musst dich weder entschuldigen noch rechtfertigen. 

Zumindest nicht, wenn es eine Anfrage ist. Wenn du schon zugesagt hast und dann doch nicht kommst, gehört es sich schon zu sagen, warum. Finde ich zumindest.🙄


Aber zurück zum schlichten nein: ich habe noch nie erlebt, dass mir jemand krumm genommen hat, dass ich nein zu etwas sage. 

Und mal ehrlich, ist es dir nicht auch lieber, wenn jemand zu deiner Anfrage nein sagt, statt aus irgendeinem Gefühl der Verpflichtung bei etwas zuzusagen, obwohl er es gar nicht möchte? 


Bittet dich jemand um Hilfe, hat man auch schnell den Impuls ja zu sagen. Aber das musst du nicht. Hast du für etwas keine Zeit oder schlicht keine Lust darauf, kannst du ja auch freundlich und hilfreich nein sagen. Bedanke dich dafür, dass du für diese Aufgabe in Betracht gezogen wurdest, deine Antwort sei nein, aber vielleicht kann ja der oder die helfen. 


Manchmal wirst du auch nur um Hilfe gebeten, weil das für die Person bequemer ist. Geht ja schneller, als sich selbst zu informieren. An dieser Stelle kannst du freundlich auf entsprechende Quellen oder Links verweisen, die ihnen die nötigen Informationen bieten.

 

Du bist nicht dazu verpflichtet, für andere zu arbeiten. Und du lässt die Menschen ja nicht im Regen stehen, sondern gibst ihnen Tipps, es selbst zu machen. Ein Gewinn für beide Seiten.

So ist es dann hoffentlich das nächste Mal keine große Kunst mehr, „nein“ zu sagen.