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Vom denken und tun


Jeder von uns hat im Leben verschiedene „Rollen“. Ob als SchülerIn, als PartnerIn, als Kollege/in, Eltern, FreundIn oder einfach nur du selbst, wenn du allein bist. 

Bei manchen sind sie ähnlich, bei manchen liegen diese weit auseinander, aber jeder füllt seine Rollen aufgrund seiner Vorstellung, wie er sich darin sieht. 

Oft ist es unbewusst oder eine Adaptation der Art, die in der Umgebung vorgelebt wird. Oder wie du es selbst erlebt hast. Und oft landen wir in einem Zustand, in dem wir eigentlich gar nicht sein wollen. 

Wir wollen nicht die strenge Mutter, der ernste Kollege, die unzuverlässige Freundin oder die heimlich essende Person sein. 

Dennoch kann es dazu kommen und genau zu diesem Thema habe ich letztens etwas spannendes von James Clear (Autor von „Atomic habits“) gehört. Er sagte:

„Alles was du tust und über dich denkst ist eine Stimme, die du für die Person abgibst, die du wirst oder werden willst“ (frei übersetztes Zitat aus dem Interview mit James Clear) Am Ende entscheidet die Mehrheit. 

Ein Beispiel: Mal angenommen, du fühlst dich bei der Arbeit aufgrund deiner Hilfsbereitschaft ausgenutzt und möchtest eigentlich möglichst wenig Überstunden machen, um mehr Zeit mit deinen Freunden und deiner Familie zu verbringen. Aber weil du auch eine gute Kollegin sein möchtest, nimmst du viele Aufgaben an, weshalb du oft länger bleibst.

Machst du Überstunden, stimmst du quasi für dich als Kollegin, die auf eigene Kosten hilft und sich auch mal ausnutzen lässt. Und stimmst gleichzeitig für die Rolle einer Freundin, die selten Zeit hat. 

Wenn du das beibehälst, bleiben oder werden das deine Rollen. Nicht, weil du das eine lieber möchtest, als das andere, sondern, weil im Endeffekt nicht die Absicht, sondern das Ergebnis bei der „Abstimmung“ zählen. 

Schaust du nach den Gründen, so merkst du schnell, dass deine Gedanken über dich und eine Situation zu der entsprechenden Handlung führen. Meist ist es die Befürchtung einer unangenehmen Situation ( in diesem Beispiel negative Reaktionen der Kollegen) oder die Aussicht auf Lob und Anerkennung, wenn du mehr machst. 

Das gilt auch für Dinge, die du dir selbst oder anderen über dich sagst. 

In dem Podcast kamen von James Clear mehrere Beispiele für solche Sätze, die wir uns sagen. „Ich hab‘s nicht so mit Namen“, „Ich habe keinen Orientierungssinn“, „Ich habe einen süßen Zahn“, „Ich hab‘s nicht so mit Zahlen“. Und ich dachte nur: oh, die ersten drei sage ich auch über mich!🙈 Ohne groß darüber nachzudenken. 

Aber wenn du dir das mal in Ruhe durch den Kopf gehen lässt, ist es logisch. Wenn du dir einredest, dass du „es nicht so mit Namen“ hast, dann signalisierst du dir, dass es sich nicht lohnt, zu versuchen, dir Namen zu merken. Und je öfter du dir das sagst, desto mehr nimmst du es als Fakt an und lässt es direkt bleiben. Logisch, aber auch gruselig, oder? 

Für mich steht fest, dass ich jetzt mehr darauf achten werde, was ich über mich behaupte und versuchen werde, Aussagen, die mir auf Dauer schaden, zu verbannen oder durch bessere zu ersetzen. 

Und was auch in dem Interview zur Sprache kam: Je genauer du dir ein Bild davon machst, wie du in deiner Rolle sein möchtest und wie du dich dabei fühlen möchtest, desto klarer wird, welche Handlungen dazu nötig sind. Es wird dadurch einfacher, diese auszuführen und so deiner Vorstellung von dir näher zu kommen. Und das wiederum führt zu mehr Zufriedenheit. 

Dein bewusstes Handeln „stimmt“ dann für die Person, die du sein möchtest.