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Mehr Zeit im Alltag- Schritt 2: Nein sagen

Es ist super, wenn du hilfsbereit und zuverlässig bist. Und so lange es dich erfüllt und du am Ende des Tages zufrieden auf deine Aufgaben zurückblickst, kann alles so bleiben. 

Aber du suchst offenbar nach Lösungen, um mehr Zeit im Alltag zu haben. Und bei vielen mangelt es an Zeit, weil sie einfach zu viel machen wollen oder sich gezwungen sehen, manche Dinge machen zu müssen.

Was also tun?

Zunächst musst du dir wieder einen Überblick verschaffen, welche Verpflichtungen und Termine du hast. Schaue dir einfach die nächsten 6 Monate im Planer oder Kalender an und liste sie untereinander auf: Arzttermine, Seminare, Fortbildungen, Kuchenbasar, Fahrdienst für Kinder (hier die Anlässe und wie oft es ist), Geburtstagsfeiern, Hochzeiten...

Gehe dann alle durch und vermerke jeden mit einem + (Plus), wenn sie für dich wichtig sind (z.B. Vorsorgetermine beim Arzt) oder du dich darauf freust (z.B. ein Besuch beim Frisör, Ausflug mit Freunden, sobald der COVID-19 Spuk vorbei ist natürlich).

Alle, bei denen du denkst „ach, da muss ich ja hin“, es zieht sich aber alles in dir zusammen, bekommen ein - (Minus)

Jetzt geht es wieder an die Bewertung der Dinge mit dem Minus: 

Du wirst bei diesen Dingen oft das Gefühl haben, dass es eine unabänderbare Verpflichtung ist und du etwas machen musst. In Wahrheit hast du aber eine Wahl. 

Eine Hochzeit, zu der du nicht hin möchtest oder die einfach dein Budget strapazieren würde? Geh nicht hin. Ist doch egal, was Tante Erna dazu sagt. Es ist auch egal, ob Mama meint, du müsstest hingehen. Du entscheidest. Du kannst dem Brautpaar absagen und dann kurz vor dem großen Tag eine schöne Karte mit ein paar lieben Worten oder ein kleines Geschenk schicken. Nur weil du nicht hingehst, bedeutet es nicht, dass dir die Menschen egal sind.

Du musst zu einer Fortbildung, die letztes Mal keinen Mehrwert brachte? Dann schau dich nach alternativen Anbietern um, vielleicht gibt es Bewertungen von Teilnehmern. Hast du etwas passendes gefunden, kannst du es deiner Chefin eben mit dieser Begründung vorschlagen. 

Und das ist auch der Kern: mache dich nicht zum Opfer. Es wird niemand kommen und die Dinge für dich regeln. Aber das ist auch gut so! Denn nur du weißt, wie du etwas haben möchtest und wie es dir damit geht. 

Daher gibt es für dich für die Zukunft zwei Dinge zu tun:


1. Klarheit darüber haben, was dir wichtig ist und wo deine Grenzen liegen. 


Es gibt ganze Bücher darüber (z.B. „Die großen 5 fürs Leben“ von John Strelecky), aber für den Anfang reicht es, eine der beiden (oder wenn du magst, beide) Übungen zu machen:


Die Vision: Stelle dir dein optimales Leben vor. Wo würdest du leben? Mit welchen Personen würdest du dich umgeben? Wie würdest du dein Geld verdienen? Was würdest du anders machen als jetzt? Wovon würdest du mehr tun? Welche Werte und Prinzipien hast du in diesem Szenario?

Der Rückblick: Diese zweite Übung ist etwas morbide, aber lass dich mal darauf ein. Stelle dir vor, dass du am Ende deines Lebens angekommen bist und darauf zurück blickst: Was möchtest du über dein vergangenes Leben denken? Was möchtest du erreicht haben? Wie möchtest du dich gefühlt haben? Worauf möchtest du stolz sein? Was würdest du bereuen, wenn du auf deine jetzige Situation blickst? Was müsstest du tun, um das zu ändern?


Diese beiden Übungen sind Spielereien, aber sie helfen dir, klarer zu sehen, was dir wichtig ist und was dich antreibt. Gleichzeitig erkennst du schnell, wo aktuell deine Zeit und Energie verloren geht, wenn du nicht darauf achtest.

Und wenn es dir wichtig ist, alles für andere zu tun? Dann frage dich, warum das so ist. Machst du es aus innerem Antrieb und es erfüllt dich oder versuchst du in ein Bild, das andere von dir haben, zu passen und es laugt dich aus? 

Ich bin ja selbst eine Mama und möchte für meine Kinder alles tun, aber ich möchte ihnen später auf keinen Fall vorwerfen, dass ich wegen ihnen mein Leben nicht so leben konnte, wie ich es wollte. 


2. Danach handeln:


Versuche wann immer es geht nach diesen Werten und Prinzipien zu handeln. Stecke deine Zeit in die Dinge, die dir- und zwar wirklich dir- wichtig sind. Beseitige oder ändere Schritt für Schritt die Verpflichtungen, die dir Energie und Zeit rauben. 

Du warst immer Kassenwart und es wird erwartet, dass das so bleibt, aber es belastet dich? Dann sage rechtzeitig vor der nächsten Abstimmung, dass du das Amt bisher gern gemacht hast, nun aber nicht mehr zur Verfügung stehst und es ab der nächsten Saison jemand anderes machen muss. Ja muss, denn du machst es nicht mehr. 

Das gleiche gilt für Grenzen ziehen. Wenn du beispielsweise bei der Arbeit eine zusätzliche Aufgabe zugeteilt bekommst, du aber bereits jetzt trotz vollen Einsatzes kaum alles schaffst, dann ist hier die Grenze. Dann weise höflich darauf hin, dass du dies gern übernimmst und frage gleichzeitig, was du dafür liegen lassen sollst. Versuche nicht die Grenze auf deine Kosten zu verschieben, indem du noch mehr Überstunden machst. 

Es gibt dieses schöne Zitat, dass du „alles machen kannst, aber nicht gleichzeitig“. Und genau deshalb ist es so wichtig zu lernen, Grenzen zu ziehen und für sich Schwerpunkte zu setzen. Fange einfach mit kleinen Dingen an und du wirst sehen, dass nichts schlimmes passiert, wenn du nein sagst.